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Intuniv

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Ein verschreibungspflichtiges Medikament mit dem Wirkstoff Guanfacin ist Intuniv. Es gehört zur Gruppe der zentral wirksamen Alpha-2A-Adrenozeptor-Agonisten und beeinflusst die Aktivität im Gehirn.

Was ist Intuniv und wofür wird es verwendet?

Intuniv enthält den Wirkstoff Guanfacin, ein Medikament, das auf die Aktivität des Gehirns wirkt. Es hilft, die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern sowie Impulsivität und Hyperaktivität zu reduzieren.

Dieses Arzneimittel wird auf ärztliche Verschreibung zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren eingesetzt. Es kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn Stimulanzien nicht geeignet sind oder die bisherigen Medikamente die ADHS-Symptome nicht ausreichend kontrollieren.

Wann ist bei der Einnahme von Intuniv Vorsicht geboten?

Sprechen Sie vor der Einnahme von Intuniv mit Ihrem Arzt oder Apotheker bzw. Ihrer Ärztin oder Apothekerin, insbesondere wenn:
  • Sie oder Ihr Kind an niedrigem oder hohem Blutdruck, Herzproblemen oder familiären Herzerkrankungen leiden.
  • Sie oder Ihr Kind kürzlich einen Ohnmachtsanfall hatten.
  • Selbsttötungsgedanken oder -gefühle bestehen.
  • Sie oder Ihr Kind an einer anderen psychiatrischen Erkrankung leiden.
  • Aggressives Verhalten oder gesteigerte Aggression beobachtet wird.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

  • Intuniv kann das Wachstum beeinflussen. Daher wird Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin regelmässig Grösse und Gewicht kontrollieren.
  • Die Einnahme darf nicht eigenmächtig beendet werden. Ein abruptes Absetzen kann Entzugssymptome wie erhöhten Blutdruck und Herzfrequenz verursachen. Falls eine plötzliche Beendigung notwendig ist (z. B. wegen einer akuten Erkrankung), muss umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
Falls eine der oben genannten Bedingungen auf Sie oder Ihr Kind zutrifft oder Sie unsicher sind, konsultieren Sie unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker. Regelmässige ärztliche Untersuchungen helfen, die Auswirkungen des Medikaments zu überwachen.

Einnahme von Intuniv mit anderen Medikamenten

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie oder Ihr Kind eines der folgenden Medikamente einnehmen:
  • Herz-Kreislauf-Medikamente (z. B. Diltiazem, Verapamil)
  • Epilepsie-Medikamente (z. B. Valproinsäure, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Primidon)
  • Beruhigungsmittel oder Schlafmittel (Sedativa, Benzodiazepine, Barbiturate, Neuroleptika)
Medikamente, die den Abbau von Intuniv in der Leber beeinflussen:
  • Gegen Übelkeit und Schwindel: Aprepitant
  • Gegen HIV: Atazanavir, Efavirenz, Ritonavir, Saquinavir usw.
  • Gegen bakterielle Infektionen: Ciprofloxacin, Clarithromycin, Rifampicin usw.
  • Gegen Pilzinfektionen: Fluconazol, Itraconazol usw.
  • Gegen Krebs: Crizotinib, Imatinib
  • Gegen virale Hepatitis: Boceprevir, Telaprevir
  • Gegen Drogenabhängigkeit: Suboxone
  • Zur Förderung der Aufmerksamkeit: Modafinil
  • Gegen Depressionen: Johanniskraut
Falls Unsicherheiten bestehen, holen Sie ärztlichen Rat ein.

Einnahme mit Lebensmitteln, Getränken und Alkohol

  • Fettreiche Mahlzeiten vermeiden, da sie die Wirkung von Intuniv beeinflussen können.
  • Kein Grapefruitsaft oder Grapefruitprodukte konsumieren, da diese die Wirkung des Medikaments verstärken können.
  • Kein Alkohol trinken, da dies zu verstärkter Schläfrigkeit oder Benommenheit führen kann.

Verkehrstüchtigkeit und Maschinenbedienung

Intuniv kann zu Schläfrigkeit, Schwindel oder Benommenheit führen – besonders zu Beginn der Behandlung. Diese Symptome können einige Wochen anhalten. Während dieser Zeit sollten Sie oder Ihr Kind:
  • Kein Fahrzeug oder Fahrrad fahren.
  • Keine Maschinen oder Werkzeuge bedienen.
  • Verletzungsgefährdende Aktivitäten meiden.
Es wurde auch über Fälle von Bewusstlosigkeit berichtet.

Weitere Hinweise

  • Intuniv enthält Lactose. Falls eine Unverträglichkeit besteht, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
  • Intuniv ist nahezu natriumfrei (weniger als 1 mmol Natrium pro Tablette).

Schwangerschaft und Stillzeit

Falls Sie schwanger sind, stillen, eine Schwangerschaft vermuten oder planen, sprechen Sie vor der Einnahme von Intuniv mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Die Anwendung von Intuniv während der Schwangerschaft oder ohne geeignete Empfängnisverhütung sollte nur erfolgen, wenn der Arzt bzw. die Ärztin dies für unbedingt notwendig hält. Der mögliche Einfluss des Medikaments auf das ungeborene Kind ist nicht bekannt.
Während der Behandlung mit Intuniv wird vom Stillen abgeraten, es sei denn, der Arzt oder die Ärztin hat dies ausdrücklich erlaubt.

Wie wird Intuniv angewendet?

Die Behandlung mit Intuniv erfolgt unter der Aufsicht eines Spezialisten oder einer Spezialistin für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Das Medikament sollte stets genau nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden. Bei Unsicherheiten wenden Sie sich an den Arzt oder Apotheker bzw. die Ärztin oder Apothekerin.

Während der Dosiseinstellung und nach jeder Anpassung wird der Arzt bzw. die Ärztin den Verlauf genau überwachen, um die Wirkung des Medikaments zu beurteilen. Die Dosierung darf nicht eigenständig geändert werden – sprechen Sie bei Bedenken immer mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin.

Dosierung und Einnahme

Wie viel Intuniv soll eingenommen werden?
  • Die Behandlung beginnt mit 1 mg pro Tag.
  • Je nach Körpergewicht und Ansprechen auf das Medikament kann die Dosis um maximal 1 mg pro Woche gesteigert werden.
  • Die Tagesdosis variiert je nach Alter und Reaktion auf die Behandlung und liegt zwischen 1 mg und 7 mg, überschreitet jedoch nie 7 mg pro Tag.
Wann und wie sollte Intuniv eingenommen werden?
  • Einmal täglich, entweder morgens oder abends.
  • Mit oder ohne Mahlzeit, jedoch nicht zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit (z. B. einem fettreichen Frühstück).
  • Die Tablette ist im Ganzen mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit zu schlucken (kein Grapefruitsaft!).
  • Nicht zerkauen, zerdrücken oder zerkleinern, da dies die Wirkung beeinträchtigen kann. Falls das Schlucken der Tablette Probleme bereitet, konsultieren Sie den Arzt bzw. die Ärztin.

Dauer der Behandlung

Die Einnahme von Intuniv erfolgt zunächst für maximal ein Jahr. Danach überprüft der Arzt bzw. die Ärztin die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Gelegentlich kann die Dosis reduziert oder die Behandlung unterbrochen werden (z. B. während der Schulferien), um zu prüfen, ob das Medikament weiterhin benötigt wird.
 
Wichtig: Intuniv darf niemals plötzlich abgesetzt werden! Falls die Behandlung beendet werden soll, muss die Dosis schrittweise unter ärztlicher Aufsicht reduziert werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Was tun bei einer vergessenen oder zu hohen Dosis?

Vergessene Dosis
  • Wenn eine Dosis vergessen wurde, am nächsten Tag zur gewohnten Zeit fortfahren.
  • Falls zwei oder mehr Dosen hintereinander vergessen wurden, den Arzt oder die Ärztin kontaktieren, da möglicherweise eine erneute Dosiseinstellung erforderlich ist.
  • Keine doppelte Dosis einnehmen, um eine vergessene Einnahme auszugleichen.
Überdosierung
Falls Sie oder Ihr Kind versehentlich eine zu hohe Dosis eingenommen haben, sofort einen Arzt oder eine Ärztin kontaktieren oder die nächste Notaufnahme aufsuchen. Nehmen Sie die Medikamentenverpackung mit, um den Ärzten die Beurteilung zu erleichtern. Mögliche Symptome einer Überdosierung:
  • Blutdruckabfall oder Blutdruckanstieg
  • Verlangsamte Herz- und Atemfrequenz
  • Müdigkeit oder starke Erschöpfung

Absetzen von Intuniv

Die Behandlung darf nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin beendet werden. Ein plötzliches Absetzen kann zu einem starken Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz führen. Falls das Medikament abgesetzt werden soll, wird der Arzt bzw. die Ärztin die Dosis langsam reduzieren, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Einschränkungen bei der Anwendung

Kinder unter 6 Jahren und Erwachsene ab 18 Jahren
Intuniv ist nicht für Kinder unter 6 Jahren oder Erwachsene ab 18 Jahren zugelassen, da die Sicherheit und Wirksamkeit in diesen Altersgruppen nicht ausreichend untersucht wurden.
Falls weitere Fragen zur Einnahme bestehen, wenden Sie sich an den Arzt oder Apotheker bzw. die Ärztin oder Apothekerin.

Mögliche Nebenwirkungen von Intuniv

Schwerwiegende Nebenwirkungen

Nach einer plötzlichen Dosisreduktion oder dem abrupten Absetzen von Intuniv kann es zu einem Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz kommen. In sehr seltenen Fällen können auch Auswirkungen auf das Gehirn auftreten, wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Erregung oder Zittern (siehe auch „Wann ist bei der Einnahme von Intuniv Vorsicht geboten?“).

Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen gehören:

Häufig

  • Benommenheit (Sedierung)
  • Schwindel durch niedrigen Blutdruck (Hypotonie)
  • verlangsamte Herzfrequenz (Bradykardie)

Gelegentlich

  • Schwächeanfall oder Bewusstseinsverlust (Kreislaufkollaps)
Diese Nebenwirkungen treten meist zu Beginn der Behandlung auf und bessern sich oft im Verlauf. Bei Auftreten einer dieser Beschwerden sollten Sie umgehend einen Arzt bzw. eine Ärztin kontaktieren.

Weitere mögliche Nebenwirkungen

Sehr häufig

  • Schläfrigkeit (Somnolenz)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen

Häufig

  • Ruhelosigkeit oder Reizbarkeit
  • Schlafstörungen: Einschlafprobleme, nächtliches Erwachen oder Albträume
  • Depressionen, Angst oder Stimmungsschwankungen
  • Schwindel, Antriebslosigkeit (Lethargie)
  • Gewichtszunahme
  • Appetitlosigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Bettnässen (Enuresis)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Verdauungsprobleme: Durchfall, Magen-/Bauchbeschwerden, Verstopfung
  • Niedriger Blutdruck, Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
  • Verlangsamte Herzfrequenz
  • Hautausschlag

Gelegentlich

  • Allergische Reaktionen (Überempfindlichkeit)
  • Brustschmerzen
  • Verdauungsstörungen (Dyspepsie)
  • Atemprobleme (Asthma)
  • Schwächegefühl (Asthenie)
  • Blässe der Haut
  • Krampfanfälle
  • Ohnmacht/Bewusstlosigkeit
  • Häufiger Harndrang (Pollakisurie)
  • Unruhe, Aufgeregtheit oder Aggression
  • Veränderungen der Leberwerte im Blut (erhöhte Alaninaminotransferase)
  • Blutdruckanstieg
  • Herzrhythmusstörungen (Sinusarrhythmie, AV-Block 1. Grades)
  • Erhöhter Puls (Tachykardie)
  • Schwindel beim Aufstehen (orthostatischer Schwindel)
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Halluzinationen (Sinnestäuschungen)

Selten

  • Exzessives Schlafbedürfnis (Hypersomnie)
  • Unwohlsein

Sehr selten

  • Schwere Nebenwirkungen nach abruptem Absetzen von Intuniv, einschliesslich hohem Blutdruck mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Nervosität, Erregung und Zittern (hypertensive Enzephalopathie)

Häufigkeit unbekannt

  • Erektionsprobleme (erektile Dysfunktion)
Falls Sie oder Ihr Kind Nebenwirkungen bemerken, die hier nicht aufgeführt sind, informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin.

Hinweis

Sämtliche Informationen zu den Medikamenten, die vom Verein bereitgestellt werden, basieren auf gründlicher Recherche. Dennoch ersetzen sie keinesfalls die medizinische Diagnose oder Behandlung durch einen Facharzt. Es wird dringend empfohlen, bei Fragen zu Medikamenten oder der Behandlung von ADHS immer einen qualifizierten Arzt oder Therapeuten zu konsultieren, um eine individuelle und sichere Therapie sicherzustellen.
 
Weitere Informationen zu Medikamenten und deren Anwendung finden Sie unter Compendium – einer verlässlichen Quelle für medizinische Fachinformationen.

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